Roman Matys nahm als Experte aus der Ukraine am Kommunalkongress und Wirtschaftsforum der Drei-Meere-Initiative teil. Aus wirtschaftlicher Sicht sollte die Expertengruppe aus den Ländern der Drei-Meere-Initiative beantworten, wie und in welche Richtung sich unsere Volkswirtschaften entwickeln sollten, was uns verbinden sollte und welche Ziele gemeinsame werden sollten. Die heutige Realität wird nicht nur von der Welt nach der Pandemie geprägt, sondern auch von einem echten Krieg in der Ukraine mit all seinen Folgen.
Auf dem Podium saßen Roman Matys (Ukraine), Łukasz Grabowski (Polen), Konstantin Bekos (Österreich), Matej Hojnik (Slowenien), Monika Cegnar-Jurjević (Kroatien) und Bogdan Łukasik (Tschechien). Viel wurde über das menschliche Potenzial jedes Landes gesprochen und über ein gemeinsames Problem, das unabhängig von Größe oder Lage eines Landes besteht: das Niveau von Bildung und Berufsausbildung.

Die Demografie der Ukraine
Großen Eindruck machte die von Roman Matys geschilderte demografische Entwicklung der Ukraine in den letzten 30 Jahren. Nach dem Zerfall der Sowjetunion hatte die Ukraine 52 Millionen Einwohner. Nach Kriegsbeginn 2014, der Besetzung der Krim und von Teilen des Ostens waren es noch 42 Millionen. Nach der großangelegten Invasion 2022 ist mit etwa 33 Millionen zu rechnen, mit einem deutlichen Ungleichgewicht der Geschlechter und einer extrem schnellen Alterung. Roman Matys betonte jedoch, dass die Lage deshalb keineswegs ausweglos ist.
Wie man Menschen zurückgewinnt
Wir müssen uns auf die Modernisierung aller Lebensbereiche konzentrieren, statt wie ein Mantra die Rückkehr derer zu fordern, die gegangen sind. Ein Teil wird natürlich zurückkommen, doch damit möglichst viele zurückkehren, müssen wir uns qualitativ von den Orten unterscheiden, an die sie gezogen sind. Seien wir ehrlich: Die Infrastruktur, die sie dort kennengelernt haben, können wir ihnen nicht bieten. Wir können ihnen aber die Aussicht bieten, dass die ukrainische Infrastruktur das gewohnte Niveau erreicht oder sogar übertrifft. Und solange wir sie aufbauen, kann ihr Vorteil woanders liegen: niedrigere Steuern, bessere digitale Dienste, Zugang zu Bildung und Weiterentwicklung. Das liegt in unserer Macht, und das können wir uns schon heute leisten.
Dann kann nicht nur der Emigrant von gestern, sondern auch ein Bewohner jedes entwickelten Landes, vor allem wer remote arbeitet, sich sagen: „Die Infrastruktur ist vielleicht etwas schlechter als gewohnt, aber alles wird besser, und niedrigere Steuern und Lebenshaltungskosten erlauben mir, mein Geld für das auszugeben, was mich interessiert.“ In der freien Welt leben Menschen dort, wo es ihnen gefällt, nicht dort, wo die Regierung es bestimmt.
Bildung
Die Qualität von Bildung und Berufsausbildung zu verbessern, ist ein ewiges Thema, das unabhängig von Geografie und Wirtschaft eines Landes nie verschwinden wird. Alle Experten waren sich deshalb einig, dass die Erfahrungen mit der dualen Ausbildung in Österreich und Deutschland wertvoll sind, ebenso wie die Lösungen anderer Länder, und dass es sich lohnt, sie auszutauschen und gemeinsame Strategien zu entwickeln.

