In letzter Zeit gab es mehrere wichtige Ankündigungen zum ukrainischen Energiesektor. Roman Matys hat sich entschieden, sie öffentlich zu kommentieren, denn in Gesprächen mit ausländischen Investoren steht die Energieversorgung zukunftsträchtiger Projekte in der Ukraine stets an erster Stelle.
„Ich habe schon früher gesagt, dass selbst die Lage auf dem ukrainischen Energiemarkt nach den russischen Angriffen auf die Energieinfrastruktur auch positive Seiten hat: die Entmonopolisierung des Marktes und den Aufbau einer neuen, besseren Infrastruktur auf Basis modernster Lösungen.
Es gibt also zwei Nachrichten der letzten Tage. Die eine betrifft die kurzfristige, die andere die langfristige Strategie auf dem Energiemarkt.

Kurzfristig: Kraftwerksschiffe
Kurzfristig geht es darum, möglichst schnell möglichst viele Verbraucher mit Strom zu versorgen. Der staatliche Energiehändler Energy Company of Ukraine (EKU) hat mit dem türkischen Unternehmen Karpowership ein Memorandum über die Zusammenarbeit bei der Stromversorgung und den Einsatz schwimmender Kraftwerke gegen das Energiedefizit unterzeichnet. Gemeinsam mit nationalen und internationalen Organisationen wollen die Unternehmen ein Projekt zur Finanzierung und Inbetriebnahme von 500 MW Leistung aus Kraftwerksschiffen ausarbeiten. Das reicht für eine Million Haushalte. Die Schiffe sollen vor den Küsten Moldaus und Rumäniens liegen, an deren Netze angeschlossen werden und den Strom über grenzüberschreitende Leitungen ins ukrainische Netz einspeisen. Mit politischer Unterstützung dieser Länder und ausreichender Finanzierung lässt sich das Projekt relativ schnell umsetzen.
Langfristig: kleine modulare Reaktoren
Mit Blick auf die langfristigen Pläne ist eine Aussage des japanischen Botschafters in der Ukraine, Matsuda Kuninori, interessant: Japan will sich am Wiederaufbau des ukrainischen Energiesektors mit neuesten Technologien beteiligen, unter anderem beim Bau kleiner modularer Reaktoren und bei gemeinsamen Wasserstoffprojekten, in denen Japan über besonders viel Know-how verfügt. Kleine modulare Reaktoren (SMR, Small Modular Reactors) sind die modernsten Kernreaktoren, werden modular gefertigt und erfüllen die Anforderungen an passive nukleare Sicherheit. Sie sind kompakter, mobiler und sicherer, benötigen keine großen Flächen und lassen sich auch in schwer zugänglichen Gebieten errichten. Die Technologie entwickelt sich ständig weiter: Es gibt bereits vier Generationen solcher Reaktoren. Die vierte befindet sich in der Entwicklung, und die World Nuclear Association erwartet, dass einige davon vor 2030 in Betrieb gehen.
Die Japan Atomic Energy Agency (JAEA) kündigte bereits 2020 eine engere Zusammenarbeit mit Großbritannien an einem gasgekühlten Hochtemperaturreaktor an, gestützt auf ein Memorandum von 2019. Großbritannien wiederum arbeitet intensiv an kleinen modularen Reaktoren: 2019 erhielt Rolls-Royce 18 Millionen Pfund für den Beginn der Planung eines modularen Systems und kündigte den Bau von 16 solchen Reaktoren an.
Neben diesen Ländern sind auch China, das im Juli 2021 mit dem Bau des ersten kommerziellen landgestützten kleinen modularen Reaktors begann, die USA, Kanada und sogar unsere polnischen Nachbarn aktiv: Das Chemieunternehmen Synthos plant die Errichtung eines Hitachi-BWRX-300-Reaktors (300 MW) und erhielt bereits 2020 eine Machbarkeitsstudie.
Dank der Zusammenarbeit mit Japan und weiteren Partnern hat die Ukraine also die Chance, sich an den modernsten, sichersten und umweltfreundlichsten Energieprojekten zu beteiligen, ihr Energiesystem zu diversifizieren und die Verbraucher mit Energie aus nicht-fossilen Quellen zu versorgen.“
