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Roman Matys: Wann ist der beste Zeitpunkt für Investitionen in der Ukraine?

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„Wann ist der beste Zeitpunkt, in der Ukraine zu investieren?“ Diese Frage hört Roman Matys auf jeder internationalen Wirtschaftsveranstaltung. Seine Antwort: In manchen Branchen ist es vielleicht schon etwas spät, an eine Führungsposition zu denken. Die folgenden Beispiele belegen das.

Roman Matys über Investitionen in der Ukraine
Roman Matys über Investitionen in der Ukraine, 2023

In den letzten Monaten habe ich an sechs Wirtschaftsveranstaltungen im Ausland teilgenommen, als Moderator oder Panelredner zu den Perspektiven der ukrainischen Wirtschaft, zum Wiederaufbau der Ukraine und zu Investitionen in der Ukraine.

Jedes Mal teilte sich das Publikum in drei Hauptgruppen:

  • diejenigen, die die Chancen verstehen, die sich in der Ukraine schon heute eröffnen, und ihre Prognosen präzisieren müssen, um über den Markteintritt zu entscheiden;
  • diejenigen, die diese Chancen verstehen, aber den Krieg fürchten und Bestätigung für ihre Ängste suchen, indem sie sich sagen: „Ich bin der Erste, sobald der Krieg vorbei ist“;
  • diejenigen, die diese Chancen verstehen und bereits investieren oder sich aktiv auf Investitionen vorbereiten.

Natürlich gab es auch Skeptiker, aber so wenige, dass sie innerhalb der statistischen Fehlertoleranz liegen.

Das Verständnis der Chancen entbindet nicht von der Notwendigkeit, über Rahmenbedingungen zu sprechen, die Investitionen in der Ukraine fördern: Versicherung von Kriegsrisiken, besondere, wettbewerbsfähigere Bedingungen und Regeln für Geschäfte in der Ukraine usw. Diese Gespräche laufen bereits oder werden mithilfe von Lobbying-Instrumenten aufgenommen. Deshalb beginnen diejenigen, die ihre Chance nicht verpassen wollen, schon jetzt mit der Arbeit — zumindest mit der organisatorischen und vorbereitenden, die ebenfalls Zeit braucht.

„Die Ukraine ist das neue China“

Mein Slogan „Die Ukraine ist das neue China“, den ich erstmals im Juni 2018 auf der World Manufacturing Convention in China formuliert habe, gewinnt durch das Verhalten der Volksrepublik im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine noch an Gewicht. Für die europäischen Märkte werden die Vorteile einer Verlagerung von Produktionskapazitäten aus China näher an die Absatzmärkte immer deutlicher: kürzere Lieferketten, geringere Transportkosten im Produktpreis und langfristig gewisse Sicherheitsgarantien, wenn die Weltwirtschaft wegen Chinas Verhalten geopolitisch Position beziehen muss.

Ob es um Unterstützung für russland geht oder um den Versuch, einen Teil davon zu übernehmen, ist zweitrangig. Die Wahl „auf dem chinesischen Markt bleiben oder gehen?“ wird getroffen werden müssen. Neue Werke näher an den Absatzmärkten bedeuten nicht, dass Fabriken in China schließen — sie bleiben für die asiatischen Märkte. Und wir müssen alles tun, damit die Produktion für die europäischen Märkte in der Ukraine anläuft.

„Die Region Lwiw — die Fabrik Europas“ wird um die Regionen Ternopil, Chmelnyzkyj, Iwano-Frankiwsk, Riwne, Winnyzja, Wolhynien, Transkarpatien, die Bukowina und weitere ergänzt — jede mit eigener Spezialisierung. Dass ich nicht fantasiere, bestätigen Ereignisse im Wirtschaftsleben des Landes.

Energie: kleine modulare Reaktoren und neue Kraftwerksblöcke

Als Beispiel komme ich auf die Perspektiven des ukrainischen Energiemarkts zurück, die ich am 27. Januar veröffentlicht habe. Damals schrieb ich, dass Japan sich am Wiederaufbau des ukrainischen Energiesektors auf Basis neuester Technologien beteiligen will, insbesondere am Bau kleiner modularer Reaktoren und an gemeinsamen Wasserstoffprojekten, bei denen Japan über wohl die beste Expertise verfügt. Bereits 2019 kündigte ISCN — Japan Atomic Energy Agency (JAEA) auf Grundlage eines Memorandums zwischen Japan und Großbritannien über die Zusammenarbeit an einem gasgekühlten Hochtemperaturreaktor eine Intensivierung der Kooperation an.

Zur gleichen Zeit stellte Großbritannien Rolls-Royce 18 Millionen Pfund für den Beginn der Entwicklung eines modularen Systems bereit, und Rolls-Royce kündigte den Bau von 16 kleinen modularen Reaktoren an, der erste soll bis 2030 in Betrieb gehen. Am 20. März 2023 unterzeichneten NAEK Energoatom und das britische Unternehmen Rolls-Royce SMR eine Absichtserklärung über den Wiederaufbau der Ukraine durch den Einsatz kleiner modularer Reaktoren (SMR).

Gemäß der Absichtserklärung verpflichtet sich Rolls-Royce SMR, den Wiederaufbau der Ukraine durch ein Kraftwerk mit einem werksgefertigten kleinen modularen Reaktor (SMR) zu unterstützen, das genug CO₂-freien Strom erzeugen kann, um eine Million Haushalte mehr als 60 Jahre lang zu versorgen.

Unterzeichnet wurde das Dokument von Energoatom-Präsident Petro Kotin und für Rolls-Royce SMR von Sophie Macfarlane-Smith, Leiterin der Partnerbeziehungen. Was ist das, wenn nicht ein Beleg dafür, dass die Perspektiven der Ukraine verstanden werden, und eine aktive Vorbereitung auf ein modernes, sicheres und umweltfreundliches Projekt zur Diversifizierung des Energiesystems?

Weiter zum Thema: Ein internationales Konsortium aus dem US-amerikanischen Argonne National Laboratory, Energoatom und dem Staatlichen Wissenschaftlich-Technischen Zentrum für nukleare und Strahlensicherheit (unter Beteiligung des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrats und künftig privater Investoren) hat mit der Arbeit an einem Pilotprojekt für einen kleinen modularen Reaktor im Wert von 1 Mrd. USD begonnen. Das gaben der US-Sonderbeauftragte des Präsidenten für Klimafragen John Kerry und der ukrainische Energieminister offiziell bekannt. Mit US-Unterstützung soll in der Ukraine zudem das „Projekt Phoenix“ entstehen, das die Umstellung von Kohlekraftwerken in Mittel- und Osteuropa auf kleine modulare Reaktoren beschleunigen soll.

Bis 2030–2032 sollen im Kernkraftwerk Chmelnyzkyj im Auftrag von Energoatom zwei Blöcke vom Typ AP1000® nach US-Technologie von Westinghouse fertiggestellt werden, mit einem Gesamtbudget von rund 10 Mrd. USD; insgesamt sind neun solcher Blöcke geplant. Diskutiert wird sogar die Wiederaufnahme des Projekts eines Kernkraftwerks im Gebiet Tscherkassy bei Tschyhyryn, das bereits 1988 geplant war.

Außerdem plant Energoatom ein landesweites Netz von 120 Ladestationen für Elektroautos: 40 mit hoher Leistung (160+ kW) und 80 mit mittlerer Leistung (60+ kW). Und das sind noch nicht alle Investitionen in die ukrainische Energiewirtschaft. Trotz des Krieges baut DTEK weiter an einem 100-MW-Windpark im Süden der Ukraine und investiert fast 100 Mio. USD. Das Unternehmen Gaztranzit will Ende 2023 mit dem Bau einer Bioethanolanlage im Gebiet Odesa für 30–35 Mio. Euro beginnen, später sollen drei weitere in verschiedenen Regionen folgen, darunter in der Region Lwiw.

Neue Werke in anderen Branchen

HEAD Group Sports hat ihre Investitionen in der Ukraine wieder aufgenommen und baut weiter an ihrem Werk im Industriepark Winnyzja: 80 Mio. Euro, 43.000 m² Produktionsfläche (jetzt einschließlich Schutzraum) und 1.200 Arbeitsplätze. British American Tobacco Ukraine investierte 41 Mio. USD in eine neue Halle in der Fabrik in Pryluky und verlagerte die Produktion eines Produkts vollständig in die Ukraine. Magellan Investment Holdings plant 250 Mio. Euro für ein Glaswerk im Gebiet Kirowohrad. Und vergessen wir nicht das Drohnenwerk von Baykar.

Kleinere, aber nicht weniger wichtige Projekte gibt es noch viel mehr. Sie umfassen alle Wirtschaftszweige, und oft beantworte ich mit ihnen die Frage „Wann ist der beste Zeitpunkt, in der Ukraine zu investieren?“: In manchen Branchen ist es vielleicht schon etwas spät, an die Führung zu denken.

Ich wiederhole: Wir haben noch viele „Hausaufgaben“ zu erledigen — vor allem russland als starken geopolitischen Akteur zu zerschlagen. Aber das sind parallele, keine aufeinanderfolgenden Prozesse. Wer jetzt in die Ukraine investiert, profitiert nicht nur, sondern investiert auch in den Sieg der Ukraine.

P.S. Wer gern über Korruption als Hemmnis für Investitionen in der Ukraine spricht, dem empfehle ich den aktuellen Film von The Economist darüber, wie Belgien zum Zentrum des Kokainhandels in Europa wurde, über Korruption unter europäischen Politikern, belgischen Zollbeamten usw. 😉